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13.12.2011
Schaumkronen - Ausstellung der GT12
Wie sieht es aus, wenn die Kunst sich zum Bade begibt? Die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums am Adolph-Kolping-Berufskolleg haben sich darüber viele Gedanken gemacht und präsentieren nun ihre Ergebnisse. „ Von Schaumkronen und Schwimmhäuten – Körperpflege zwischen Trend und Tradition in Poesie und Malerei“ ist der Titel der neuen Ausstellung ihrer Schülerfirma Arkadien Galerie Artothek, die am Mittwoch, 16. November, mit etwa 200 Gästen in der Ausstellungshalle Hawerkamp feierlich eröffnet wurde. Die Ausstellung bildet den Beitrag der Schule zum Landesprogramm „Kultur prägt – Künstlerinnen und Künstler begegnen Kindern und Jugendlichen 2010/11“ der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen.

„Glitzernde Tropfen rieseln hinab. 

Auf der spiegelnden Wasseroberfläche mein Bild.

Schaumkronen auf mir.

Schwimmhäute wandern durch meine Haare.

Quellenlauf unter mir.

Gefühl der Frische.

Reinheit?

Aufgetaucht.

Blau geträumt.

Normale Realität.“

 

Mit solchen „Augenblickstexten“ haben die Nachwuchskünstlerinnen und -künstler der Klasse 12 des Beruflichen Gymnasiums unter der Leitung ihrer Fachlehrerin Ellen Gernun und der Künstlerin Julia Sigmund im letzten Schuljahr nach Inspiration gesucht.

Bei Minusgraden im Winter 2010 und an ersten wärmeren Tagen im späten Frühjahr 2011 arbeiteten die Schülerinnen und Schüler konzentriert und selbst bestimmt an ihren Inspirationen in der Kunsthalle Hawerkamp.

Einige entdeckten die Collage für sich, Küchenhandtücher werden zu Duschvorhängen, mit Farbe bespritzte Klarsichtfolien über Badenixen zu regennassen Duschvorhängen oder Glaswänden.

Andere tauchten in die Malerei mit Figuren, die halb über, halb unter Wasser sichtbar werden.

Übermalte Fotos erinnern an surreale Träume oder schwerelose Wasserspiele mit ornamentalem Flächendekor. Andere Arbeiten entdecken experimentelle Drucktechniken, um Typografie oder ornamentale Hintergründe zu reproduzieren.

Dann plötzlich tauchen Figuren zwischen Wörtern auf; geben Halt wie kleine Unterwasserpflanzen oder Buchstaben schweben wie zarte Tentakeln im Raum und formieren sich wie zufällig zu kurzen poetischen Gedanken, die kommen und gleichsam wieder verschwinden und von unten sieht die Wasseroberfläche ganz anders aus. Lange Haare münden in einem Wasserhahn, Badeutensilien umspielen die Füße. Rinnen steht Abperlen gegenüber. Ein barockes Ölgemälde von Rubens wird als Scherenschnitt ins Hier und Jetzt gehoben. Hat der Flussgott Hades nicht ein Tattoo, der Engel einen Motorradhelm?

 

Das Thema wurde inspiriert von der Ahlener Ausstellung „Intimacy“ und von den Schülerinnen und Schülern neu kreiert: Die Abbildhaftigkeit wahrgenommener Wirklichkeit wurde überwunden und in eine Sphäre selbstbewusster und bunter Badenixen gehoben.

Jede Schülerin und jeder Schüler hat dabei seinen Weg zu Schaumkronen und Schwimmhäuten gefunden. Dass dabei niemand selbst baden gegangen ist, beweist das Gruppenfoto mit Quietscheente, Flossen und Schnorchel, Bademantel und Planschbecken, Angel und Taucheranzug, das am letzten Tag des zweiten Kunstcamps bei sonnigem Wetter vor der bunten Kulisse des Hawerkamps aufgenommen wurde.

Die persönliche Begegnung mit der Künstlerin Julia Sigmund hat den Schülerinnen und Schülern einen authentischen und besonders motivierenden Zugang zu Kunst und Kultur eröffnet. In ihren kreativen Prozessen entwickelten sie nicht nur künstlerische Fertigkeiten, sondern lernten, sich selbst auszudrücken, zu kommunizieren und eigene Gestaltungsmöglichkeiten zu entdecken.

In ihrer Einführung der Vernissage betonte Frau Dr. Andrea Hanke, Dezernentin für Schule, Kultur und Sport der Stadt Münster, das besondere Kulturprofil, das die Schülerfirma Arkadien Galerie Artothek vermittelt: „Den Schülerinnen und Schülern gelingt durch ihre künstlerische Arbeit der Blick über den Tellerrand hinaus.“

Die Künstlerin Julia Sigmund lobte die engagierte Zusammenarbeit mit dem Arkadien-Team und der Leiterin Ellen Gernun: „Außerschulische Lernorte sind immer außergewöhnliche Lernorte, und das gilt vor allem durch die Zusammenarbeit mit außergewöhnlichen engagierten Lehrern.“ Ziel sei es in diesen Workshops die Sensibilität und Offenheit der Schüler individuell zu fördern und dieses Ziel haben alle durch ihre Kraft und Ausdauer mit dieser Ausstellung erreicht.

Elena Frieda Müller brachte stellvertretend für ihre Mitschüler die wichtigste Erfahrung der Atelierarbeit auf den Punkt: „Mit unseren Arbeiten hat jeder von es geschafft, keine Klischees abzubilden, sondern neue Wirklichkeiten zu kreieren.“

Mit dem Landesprogramm „Kultur und Schule“ wird seit dem Schuljahr 2006/2007 der Preis „Kultur prägt! - Künstlerinnen und Künstler begegnen Kindern und Jugendlichen“ ausgeschrieben. Hierdurch soll die Zusammenarbeit von Künstlerinnen und Künstlern mit Schülern in künstlerisch-kulturellen Projekten gefördert werden, um junge Menschen in ihrer Kreativität anzusprechen und zur Teilhabe am kulturellen Leben zu ermutigen.

Ausgezeichnet werden herausragende innovative Projekte von Künstlerinnen und Künstlern mit Jugendlichen in den Bildungs- und Kultureinrichtungen des Landes Nordrhein-Westfalen.

Schulen wie das Adolph-Kolping-Berufskolleg, die in ihrem Arbeitsprogramm den Schwerpunkt „kulturelle Bildung“ verankert haben und sich auf den Weg zu einer Schule mit einem besonderen Kulturprofil gemacht haben, sollen durch diese Auszeichnung darin bestärkt werden.

Das Adolph-Kolping-Berufskolleg nimmt bereits zum dritten Mal an der Ausschreibung teil und konnte mit seinen künstlerischen Beiträgen in den vergangenen Jahren in Düsseldorf jeweils Spitzenplatzierungen belegen.

Die Ausstellung ist geöffnet am 17. und 18. November von 15.30 bis 18.00 Uhr, sowie am 19. und 20. November von 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr in der Ausstellungshalle Hawerkamp, Gebäude B.

Die Schülerfirma Arkadien Galerie Artothek bietet die ausgestellten Arbeiten anschließend in den Räumlichkeiten des Gebäudes II des Adolph-Kolping-Berufskollegs, Lotharingerstraße 8, zur Vermietung bzw. zum Verkauf an.

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Text und Bilder: Werner Grundhoff